ANgeDACHT

"Jesus Christus spricht: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben." (Johannes 8,12)

Liebe Gemeinde,

Das Corona-Virus hat unser Land und die Welt fest im Griff. Einschränkungen, Verbote, Beschneidung von Grundrechten bestimmen das Alltagsleben. Man kann nicht wie gewohnt seinen Alltag gestalten, vertraute Routinen sind weggebrochen.

Soziale Kontakte sind auf ein Mindestmaß beschränkt, Enkel können Opa und Oma nur per Telefon oder Skype erreichen, Menschen in Krankenhäusern und Pflegeheimen können nicht besucht werden.

Familien drängen sich in engen Wohnungen, Kinder können nicht wie gewohnt in Ganztagsschulen oder Kitas betreut werden, Homeoffice und häusliche Schularbeiten wollen nicht so recht harmonisch nebeneinander her funktionieren.

Gewohnte und liebe Freizeitaktivitäten müssen unterbleiben.

Der Weg vor die Haustür führt nur zum Einkauf, vielleicht zum Arbeitsplatz.

Große Veranstaltungen, auf die viele ein ganzes Jahr hin fiebern, fallen aus: Jahrmärkte, Schützenfeste, Konzerte, Geburtstagsfeiern, Hochzeiten…

Viele haben Sorgen. Viele haben Angst.

Die eigene Gesundheit, die des Partners und der Kinder, der Arbeitsplatz, die Finanzen, all das kann durch das Virus bedroht und gefährdet werden.

Und wann sich die Verhältnisse normalisieren ist mit Gewissheit nicht zu sagen.

In den Tagen, da ich diese Zeilen schreibe, wurden gerade Beschränkungen gelockert, es zeichnet sich ab, dass Schulen und Kitas wieder öffnen, Prüfungen stattfinden.

Doch bleibt die bange Frage, ob ein erneuter Anstieg der Infektionen all diese Lockerungen schon sehr schnell wieder rückgängig macht.

Was wird werden?

Sorgen, Ungewissheit und Angst treiben die Menschen um.

Und die Kirchen?

Die Kirchen sind nun schon seit Wochen für Gottesdienste geschlossen, Gemeindehäuser verwaist, Gruppen und Kreise dürfen sich nicht treffen.

Zwar gibt es zahllose Angebote über elektronische Medien, Video-Gottesdienste und Andachten, Briefwurfsendungen, Hilfsangebote, Plattformen.

Doch etwas ganz Wesentliches fehlt: der gemeinsame Gottesdienst, Gesang, Gebet, Predigt werden von Menschen - gerade in dieser Zeit - schmerzlich vermisst.

Sogar der Abschied von einem lieben Menschen, die Beerdigung leidet unter den nötigen Schutzmaßnahmen. Kein Gottesdienst in Kirche oder Kapelle, nur zehn Trauergäste am Grab, das ist nicht der Rahmen, den man sich für eine schwere Stunde wünschen kann.

Dennoch sind alle Maßnahmen nötig und sinnvoll, denn sie schützen Leben, besonders das von älteren und kranken Menschen, von Menschen, die uns lieb sind.

Bei aller Einsicht in das Notwendige bleiben Fragen, Sorgen und Ängste.

Wie geht es weiter?

Was wird mit mir?

Was wird aus meiner Arbeit, meiner Familie, meinem Haus, dem Kredit?

 

Seit einiger Zeit höre ich die neue CD von Heinz-Rudolf Kunze „Der Wahrheit die Ehre“. Dort findet sich, als letztes Stück, der Titel: „Die Dunkelheit hat nicht das letzte Wort“ und der Refrain lautet:

„Das Licht, das in der Seele wohnt, das ist am rechten Ort. Die Dunkelheit hat nicht das letzte Wort.“

 

Bei allem, was uns zur Zeit oder grundsätzlich belastet gilt unverbrüchlich die Aussage unseres Glaubens, dass nicht die Dunkelheit sondern das Licht siegt, das letzte Wort hat.

Immer wieder - bis auf dieses Jahr - haben wir in der Osternacht den Sieg des Lichtes über die Dunkelheit, des Lebens über den Tod, der Liebe über die Trennung begangen und gefeiert.

In die bis dahin dunklen Kirchen wurde die neue, am Osterfeuer entzündete Osterkerze getragen, an ihr die Altarkerzen und die der Gläubigen in der Kirche entzündet.

So wurde es zunächst in den Kirchen, dann draußen in der Welt hell.

„Die Dunkelheit hat nicht das letzte Wort“, das konnten wir immer wieder zu Ostern sehen, hören, erfahren.

Auch wenn das in diesem Jahr anders war, die Botschaft, die Mitte unseres Glaubens bleibt:

mit und durch die Auferstehung Jesu von den Toten hat Gott die Macht der Dunkelheit und des Todes gebrochen. Sie haben nur noch vorletzte, nicht letzte Worte.

 

Das Licht, das von dieser Botschaft ausgeht, erwärmt und erleuchtet uns im Innersten, in der Seele, ja der Glaube daran ist Licht in der Welt, Licht in der Seele.

 

Unsere Seele ist unser Kern, unsere Mitte, unser Persönlichstes. Ob sie von Licht oder Dunkelheit beherrscht wird, bestimmt unser Leben und das der Menschen neben uns.

Eigentlich und ursprünglich ist sie ein Ort voll Wärme und Licht.

Wenn auch die Umstände dagegen zu sprechen scheinen, in uns scheint das Licht der Seele, das Licht der Hoffnung und des Glaubens.

Dieses Licht kommt nicht von uns selbst oder aus uns selbst, es ist das Geschenk, das mit dem ersten Atemzug in uns einkehrt.

 

Wenn dieses Licht schwächer wird, verdunkelt oder gar zu verlöschen droht, lässt sich dagegen etwas tun. Wir können vertrauen. Wir können beten. Wir dürfen wissen: da sind viele Menschen, die wie wir und mit uns glauben:

„Die Dunkelheit hat nicht das letzte Wort.“

 

Bleiben Sie gesund

wünscht Ihnen

Pfarrer Rolf Klein

 

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